L I B Y E N 2 0 0 7
Erg Ubari - Wadi-al-Hayat - Ghat - Masak Mallat - Murzuq
Vorbereitungen - Start - Genua - Fähre nach Tunis - Fahrt durch Tunesien
Libyen, arabisch ليبيا Lībiyā, amtlich Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija, ist ein Anrainer-Staat am Mittelmeer. Im Osten und Südosten liegen Ägypten und der Sudan, im Süden Niger und Tschad, im Westen die Maghreb-Länder Tunesien und Algerien. Das Land ist mit nahezu 1,8 Millionen Quadratkilometer so gross wie ganz West- und Mitteleuropa zusammen. Libyen war früher eine italienische Kolonie und ist seit 1951 unabhängig. Die sechseinhalb Millionen Einwohner sind fast alle Moslems. Wir haben sie als freundlich und tolerant kennengelernt. Mehr als drei Viertel der Landesfläche nimmt die Sahara ein. Nur rund zwei Prozent der Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Libyen ist eines der wenigen Länder der Welt, in denen es keinen Fluss
gibt der ständig Wasser führt. Es gibt nur Flusstäler (Wadis), die lediglich nach Regengüssen Wasser führen.
gibt der ständig Wasser führt. Es gibt nur Flusstäler (Wadis), die lediglich nach Regengüssen Wasser führen.
An der Küste herrscht ein mediterranes winterfeuchtes Klima mit durchschnittlichen Temperaturen im Januar von 12 °C und im August von 26 °C. Im Frühjahr und Herbst weht mitunter der Gibli, ein trocken heisser Wüstenwind. Das Landesinnere ist vom Wüstenklima geprägt. Die Temperaturen reichen im Winter bis unter 0 °C, im Sommer über 50 °C - Regen fällt sehr selten.

Unsere Route in Tunesien und Libyen
Der Toyota LandCruiser HZJ 78 muss für vier Wochen Wüste präpariert und bestückt werden: 240 Liter Diesel, 120 Liter Wasser und Getränke, 80 kg Lebensmittel, 60 kg Werkzeug, Bergezeug und Ersatzteile, zwei komplette Reserveräder, zwei Traktionsboards und das Outdoor-Equipment summieren sich auf mehr als 700 kg.
Die Anreise über den Brenner nach Bozen, Trento, Brescia, Piacenza zum Hafen von Genua gehört nicht zu den Highlights einer Sahara-Tour, ist aber unvermeidbar, wenn man nach Tunis will. Die Schiffpassage von Genua nach La Goulette, dem Hafen von Tunis dauert rund 20 Stunden. Auf dieser Route verkehrt die Carthage, ein Schiff derCoTuNav (Tunisia Ferries), das 1999 in Skandinavien gebaut wurde und neben 2200 Passagieren auch 670 Autos transportieren kann.
In La Goulette angekommen erwartet den Sahara-Fahrer eine zeitraubende und umständliche Einreise-Prozedur, die so manches Rätsel aufgibt, z.B.: "Wo muss ich denn als nächstes hin" - oder: "Welchen Stempel brauche ich denn sonst noch" etc. Zoll, Einreise-Behörde und Grenzpolizei sind in unterschiedlicher Weise am Procedere beteiligt, ohne dass man den Eindruck hat, hier handele es sich um ein koordiniertes Vorgehen. Die Einfuhr von Alkohol, Funk- und GPS-Geräten sowie Drogen ist verboten. Obwohl die Zollkontrollen bei den Sahara-Fahrern nicht allzu rigide sind, sollte man es nicht darauf ankommen lassen. Während ein paar Dosen Bier mitunter noch im Toleranzbereich liegen, wird die tunesische Staatsmacht mehr als ungehalten, wenn Drogen ins Spiel kommen. Tunesien ist zwar ein zivilisiertes Land, aber der Umgang mit Straftätern entspricht bei manchen Delikten nicht den mitteleuropäischen Sitten und Gebräuchen.
Die Fähre von Genua kommt in der Regel am späten Nachmittag oder am frühen Abend in La Goulette an. Es empfiehlt sich, zunächst zu tanken und dann über die Autobahn einen der Campingplätze im 65 km entferten Hammamet oder Nabeul anzusteuern. Hier gibt es auch zahllose Hotels, Geschäfte, Restaurants und gute Bademöglichkeiten. Wer Lust hat, kann auf dem Hin- oder Rückweg ein paar Tage bleiben und sich die Sehenswürdigkeiten am Cap Bon, in Tunis und Carthago anschauen.
Wer sich am nächsten Morgen auf den Weg nach Süden zur libyschen Grenze machen will, fährt zunächst die gut ausgebaute mautpflichte Autobahn über Enfida, die bis südlich von Sousse reicht (80 km). Am Ende der Autobahn kann man sowohl direkt nach Süden zum 114 km entfernten Sfax oder nach Westen zur 60 km enfernten historisch bedeutenden Stadt Kairouan fahren. Mit ihren 120.000 Einwohnern ist Kairouan die Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernorats. Bis zum 11. Jahrhundert war sie ein wichtiges islamisches Zentrum in Nordafrika (Ifriqiya). Wegen seiner Altstadt, den nach Zünften geordneten Märkten, den prachtvollen Moscheen und anderen Sakralbauten ist Kairouan seit 1988 UNESCO-Weltkulturerbe.
Egal, ob über Sfax oder Kairouan, der Weg nach Gabes am gleichnamigen Golf ist etwa 250 km lang und führt, sollte man sich für die westliche Strecke (Fernstrasse P2) entschieden haben, durch eine eher öde Landschaft ohne größere Ansiedlungen. Die östliche Route über El Jem (sehenswert) und Sfax ist dagegen interessanter, zumindest bis Sfax. Von dort aus nach Gabes sind es noch 137 km auf der Fernstrasse P1.
Gabes und die 150 km westlich gelegene Stadt Gafsa sind die beiden wichtigsten Ausgangspunkte für Touren in den wüstenhaften Süden Tunesiens. Von dort aus erreicht man die großen Salzseen des Chott El Jerid und des Chott El Fejaj, den nordöstlichen Ausläufer des großen Erg Oriental, die Oasen Douz und Ksar Ghilane, das Dahar-Gebirge und die Ferieninsel Jerba. Bis zur libyschen Grenze bei Ras Ajdir sind es von Gabes aus weitere 160 km. Vor dem Grenzübertritt empfiehlt es sich jedoch, noch einmal auf tunesischem Gebiet zu übernachten. Schöne Übernachtungsplätze finden sich im Dahar-Gebirge, südwestlich von Medenine, am Meer, nördlich von Zarzis und in der alten Speicherburg (Ksar) von Metameur, 6 km westlich von Medenine.
Am Dienstag, 25. September 2007 brechen wir um 09:15 Uhr zur libyschen Grenze auf, um 125 km bis zur Grenze bis 10:30…11:00 Uhr zu schaffen. Der Verkehr wird dichter bis zur Grenze. Wir reihen uns in langer Schlange ein, bis uns ein Uniformierter zu verstehen gibt, dass wir die Diplomaten-Spur nehmen sollen. Kommen in der Abfertigung schnell voran. Die Polizei stempelt uns aus und schickt uns zum Zoll. Andrea und ich werden sofort von einem Beamten vereinnahmt, der uns die Pässe abnimmt und uns losschickt, den libyschen Agenten zu holen. Der Beamte vergisst, die Ausreise der Fahrzeuge auf der VS-Karte abzustempeln! Der Agent der libyschen Agentur erwartet uns schon. Er regelt die Zollformalitäten. Wir bringen die libysche Autokennzeichen an. Dann verlangt der Beamte unsere Visa, die wir nicht haben, da sämtliche Auskünfte in Deutschland so waren, dass dies alles an der Grenze erledigt wird und nur noch der Sichtvermerk nötig ist.
Der Reiseagent in Deutschland hatte uns mitgeteilt, dass die Visa an der Grenze ausgestellt werden. Dise Auskunft war falsch, wir hätten die Visa bei der Botschaft in Berlin beantragen müssen, weil dies so auf der Einladung (in Arabisch) vermerkt war. Der libysche Agent am Grenzübergang war recht sauer, ob der fehlenden Visa und teilte uns mit, dass wir leider zurück nach Tunesien müssen. Er will versuchen, für uns ein Express-Visa in Tripolis zu besorgen, was jedoch 24 Stunden dauern kann. Wir könnten frühestens am Mittwoch um 15:00 Uhr die Grenze passieren. Die Nummernschilder mussten wir wieder abmontieren.
Bei der Rück-Einreise nach Tunesien traf uns das nächste Problem – der fehlende Ausreisestempel für die Fahrzeuge, den der tunesische Zoll uns hätte geben müssen, als wir vor ein paar Stunden aus Tunesien herausfuhren. Roland und Mike nahmen sich der Sache an. Nach Zahlung von 1 Dinar pro Fahrzeug bekamen sie den verlangten Stempel. Wir fuhren also wieder retour nach Tunesien und suchten uns abseits der Strasse C 109, die von Ben Guerdane nach Zarzis führt, einen Übernachtungsplatz am Strand. Die Nacht direkt am Meer war angenehm.
Also: Für Libyen ist immer ein Visum erforderlich. Entweder man bekommt es bei der Botschaft in Berlin (Einladung der libyschen Agentur beifügen) oder die libysche Agentur besorgt es - Dauer 1…2 Wochen. Die libysche Agentur erledigt ansonsten die übrigen an Grenz-Formalitäten. Aber man sollte sicherheitshalber auch selber ein Auge darauf haben. Wichtig! Ausreisestempel für Auto! Die eigentliche Grenzkontrolle dauerte bei uns rund 45 Minuten. Wir tauschten 300 EUR in 527 Libysche Dinar = 1:1,757 um. Bleibt noch zu erwähnen, dass ab der libyschen Grenze ein Begleiter mitgenommen werden muss, der von der Agentur gestellt wird und der quasi fremden-polizeiliche Funktionen wahrnehmen soll, z.B. das An- und Abmelden bei bestimmten Polizeistationen oder die Abwicklung der Formalitäten an den Kontrollposten unterwegs. Diesen Begleiter kann man im eigenen Auto mitnehmen oder er fährt selber mit seinem Auto, was natürlich deutlich teuerer ist.
Das Hindernis libysche Grenze liegt nun hinter uns. Der Weg nach Süden ist offen. vom Grenzübergang Ras Adjir geht es auf der Küstenstraße nach Zuwarah, von wo aus die Straße Richtung Süden nach Nalut abzweigt. Pünktlich um 09:00 Uhr in der Früh stehen wir an der Straße nach Nalut. In Nalut fahren Mike und unser Begleiter Hashmi zur Polizei, um in den Pässen den Triangelstempel eintragen zu lassen. Der ist wichtig, damit die Behörden nachvollziehen können, dass man auf der angegebenen Route ist. Innerhalb von sieben Tagen muss der Stempel eingetragen sein, anderenfalls gibt es Ärger an der Grenze bei der Ausreise. Gegen Mittag ist Nalut erreicht, das etwa 240 km von der Grenze entfernt liegt.
Nalut (arabisch نالوت, DMG Nālūt) ist eine Stadt in Westlibyen (31.8683 N - 10.9828 E) im gleichnamigen Munizip Nalut, die vorwiegend von Berbern bewohnt wird. Nalut hat etwa 11.000 Einwohner und liegt zwischen Zuara und Ghadames an der Grenze zu Tunesien. Sehenswert ist der "Ksar", die verlassene Altstadt, mit ihren engen Gassen und Vorratsräumen.
Das geschäftige Nalut bietet umfangreiche Versorgungsmöglichkeiten und beherbergt zentrale Behörden für die gleichnamige Provinz. Wir besichtigen den Ksar und sind beeindruckt von der Architektur als solcher und auch dem Erhaltungszustand. Befestigte Vorratsspeicher dieser Art findet man in weiten Gebieten der nördlichen Sahara. Mit seinen vielen Stockwerken, Durchbrüchen und Zugängen stellt der Ksar von Nalut jedoch eine Besonderheit dar.
Unser nächstes Ziel ist Dirj (Daraj) (30.1675 N - 10.4567 E), 219 km südlich von Nalut gelegen. Wer von hier aus off-road in den Süden Richtung Adiri, Mandara oder Ubari (etwa 500 km) fahren will und dabei die große Hamada al Hamra sowie den Idhan Awbari (Ubari Sand Sea/Erg Ubari) durchqueren will, der hat in Dirj zum letzten Mal Gelegenheit, den Tank und die Vorräte aufzuffüllen. Zwischen Dirj und Ghadamis, im Grenzdreieck von Libyen, Tunesien und Algerien gibt es im Sabkhat Mujazzam einige kleine Seen, die jedoch nicht immer Wasser führen. Die Übernachtung an diesen Gewässern empfiehlt sich jedoch nicht, weil es Heerscharen von Stechmücken gibt. Wir haben deshalb ein paar Kilometer abseits in den Bergen übernachtet (30.21554 N - 09.99364 E).
Es gibt eine weitaus bequemere Möglichkeit, von Dirj aus in den Süden zu kommen: Die Ostroute über Al Qaryah ash Sharqiyah (320 km) nach Birak und Sabha (460 km). Von Sabha nach Ubari sind es noch einmal 200 km. Diese 980 km kann man auf Asphalt zurücklegen. Die 400 km kürzere Off-Road-Strecke führt über die Hamada al Hamra, eine überwiegend flache Geröll-Wüste und durch den östlichen Teil des Idhan Awbari (Ubari Sand Sea), einem wunderschönen Sand- und Dünen-Meer. Wir hatten uns auch bei dieser Tour wieder für die viel interessantere Off-Road-Strecke entschieden.
Diese Strecke führt von Dirj (Darj) nach Südosten zum Wadi al Mahdudah, dem wir nicht lange folgen, um direkt Kurs Süd zu fahren. Nun geht es durch die Sandpassagen des Zahr al Himar über die Hamada Tinghert (Tingarat) zur Wasserstelle Hasy Iferfes (Hassi Ifertas). Hier kreuzen sich zwei Wüstenpisten. Die nach Süd-Osten führende folgt der Grenze zwischen den Provinzen Ghadamis, im Norden, und Wadi Ash Shati im Süden. Auf der 200 km langen Route entlang der Nordgrenze der Provinz Wadi Ash Shati gbit es drei weitere Wasserstellen: Ayn an Nahiyah (Hassi Hahia), Ayn Dambabah und Uwaynat Wannin. 10 km westlich der Wasserstelle Uwaynat Wannin (28.34201 N - 12.61956 E) schwenken wir nach Süden und nehmen Kurs auf die Wasserstelle Bi'r al Qawz. Von dort geht es in einem breiten Tal nach Adiri (Idri), das kaum 40 km süd-östlich liegt.
Die Oase Idri (27.45143 N - 13.05893 E) ist ein reizloses Dorf, wo es allerdings ein paar Läden und eine Tankstelle gibt, die jedoch nicht immer Treibstoff (Diesel) liefern kann. Nach 600 km off-road, für die man etwa 4-6 Tage braucht, tut es gut, mal wieder frisches Brot und eine eiskalte Cola zu geniessen. Das Dorfleben findet auf der Hauptstrasse zwischen dem alten und dem neuen (grünen) Wasserturm statt.
Von der Wassestelle Ayn Dambabah bis nach Idri sind wir am Nord- und am Ostrand des Erg Ubari entlang gefahren. Nun nehmen wir Kurs auf die Mandara-Seen und durchqueren dabei den Südost-Zipfel des Erg Ubari mit seinen malerischen Dünen. Der Sand ist feinkörnig und weich. Die Räder der Autos graben sich immer wieder ein. Wir müssen einige Bergungen durchführen, bevor wir das Seengebiet erreichen.
Die Dünenlandschsft zwischen Idri und den süd-südöstlich gelegenen Mandara-Seen ist ein kleines Dorado für Sand-Wühler. Die Dünen erreichen keine gewaltigen Höhen, stellen aber trotzdem Anforderungen an die Fahrkunst.
Nähert man sich von weitem dem Mandara-Gebiet, so glaubt man zunächst an eine Fata Morgana: Palmen umsäumte kleine Seen mitten in der Sand-Wüste (26.68910 N - 13.31473 E). Die fünfzehn Seen unterschiedlicher Größe werden von Grundwasser-Quellen gespeist. Je nach Grundwasser-Pegel gibt es mehr oder weniger natron-haltiges Wasser in den Senken. Mitunter fallen einige vollständig trocken. Unweit (3 km) des Mandara-Sees liegt mit dem Um el Ma (Mutter der Wasser) ein weiteres Seen-Kleinod. Die Seen-Kette setzt sich 20 km nordöstlich mit dem Tasrufa-, dem Maflu- und dem Gabroon-See fort.
Von den malerischen Mandara-Seen, die offensichtlich leider nicht unter Naturschutz stehen, obwohl dies dringend geboten wäre, sind es weniger als 20 km zum südlich gelegenen Ubari-Tal. Diese leichte Senke zieht sich über 200 km in nordöstlicher bzw. südwestlicher Richtung und ist zwischen Ubari und Sebha (190 km) für libysche Verhältnisse dicht besiedelt. Bei den Orten Germa (Jarmah) und Tekerkiba (Takartibah) gibt es ein paar akzeptable Campingplätze, wo man mal einige Tage rasten und Ausflüge in die Umgebung machen kann, z.B. zu den Mandara-Seen oder in die Dünen des Murzuq.
Unser nächstes Ziel sind die Wadis zwischen Al Awaynat und dem Ort Tarat an der algerischen Grenze, ganz im Westen der Provinz (Ubari) Awbari. Diese Gegend ist bekannt für prähistorische Felsgravuren, von denen immer wieder einmal bisher unbekannte entdeckt werden. Die abgelegene Lage hat vermutlich dazu beigetragen, dass die Gravuren weitgehend unbeschädigt und in gutem Zustand sind. Dargestellt werden Tiere, die heute in dieser Gegend keine Lebensgrundlage mehr hätten.
Die Hamada von Murzuq zu durchqueren war viel schwieriger als wir dachten. Das Gelände ist von steilen Gräben durchzogen und über lange Strecken mit groben Blöcken übersäht. Wir brachen nach einigen Kilometern den Versuch ab und fuhren auf der Fernstrasse Ubari-Ghat nach Westen.
Die südwestlichen Ausläufer der Erg Ubari, zwischen der Wasserstelle Hasy Hague und dem Wadi Irawan gelegen, zeichnen sich einerseits durch feinsandige Dünen und andererseits durch prachtvolle Ausblicke auf die Gebirgszüge des Masak Mastafat im Osten und des Jabal Akakus im Südwesten aus.
Von Westen her gesehen bäumen sich die erodierten Steilflanken des Masak Malat wie Sperr-Riegel auf. Der 170 km in Nord-Süd-Richtung verlaufende Gebirgszug steigt bis zu 400 m aus dem Sand- und Dünen-Gürtel des Iguidi Ouan Kasa in die Vertikale. Zwischen den stark zerklüfteten Felsbrocken finden sich immer wieder Inseln aus feinem Sand, dazu einladen, ein Biwak zu errichten.
Der Südwesten Libyens hat alles zu bieten, was der Sahara-Fahrer schätzt: einsame Weite ohne Besiedlung und Infrastruktur, große Dünengebiete, Gebirge, Hamadas, Wadis, prähistorische Felsgravuren und einen tadellos blauen Himmel (meistens).
Al Uwaynat (Serdeles), an der Fernstraße von Ubari nach Ghat ist ein kleines Wüstennest mit bescheidener Infrastruktur. Es gibt das Lebensnotwendige und darüber hinaus einen ordentlichen Campingplatz sowie eine Touren-Agentur (Teshuinat), bei der man Touren in das Akakus-Gebirge buchen kann. Schöne Übernachtungsplätze findet man nördlich der Fernstraße am 11. Längengrad in den Dünen.
Im Osten lockt der Idhan Murzuq, eines der größten Dünengebiete der Welt, das so gross ist wie die Schweiz, mit Dünen in Mittelgebirgs-Höhe. Eine Durchquerung, z.B. entlang des 25. Breitengrades gilt als Königsdisziplin des Dünen-Fahrens. Auch die Umrundung ist wegen der großen Entfernung und den im Süden lauernden Gefahren durch politisch oder kriminell motivierte Gewalttäter risikoreich.
Typisch für den Murzuq sind breite, ebene Sandflächen, die sich häufig als Täler zwischen den Dünen über Kilometer hinziehen, um irgendwann an einer steil aufragenden Sperr-Düne zu enden. Dann heißtes, dieses "Hindernis" mit Geschick zu überwinden oder einen anderen Weg zu suchen, der einfacher ist.
Obwohl der Idhan Murzuq zu den abgelegensten Gegenden der Welt gehört und als Teil des Munizips (Verwaltungsgebiet) Murzuq, das flächenmäßig so groß wie Deutschland ist, aber nur 60.000 Einwohner hat, ein Naturparadies ist, sind auch hier Spuren der industriellen Entwicklung zu finden. So trafen wir auf eine aufgelassene Explorations-Station. Offensichtlich wurde hier kein Öl oder Gas gefunden – Gott sei Dank. Der Wind und die Sonne wird die Überreste der Station bald beseitigt und den natürlichen Zustand wieder hergestellt haben.